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Flächendesinfektion in Kita und Pflege: Wann ist sie wirklich notwendig?

Muss eine Türklinke desinfiziert werden, nur weil viele Menschen sie anfassen? Reicht im Bewohnerzimmer eine normale Reinigung? Und was ist zu tun, wenn eine Fläche mit Blut, Stuhl oder Erbrochenem verunreinigt wurde?

Bei der Flächenhygiene führt ein Gedanke schnell in die falsche Richtung: Je häufiger desinfiziert wird, desto besser sei die Hygiene.

So einfach ist es nicht.

Entscheidend ist, welche Maßnahme für die jeweilige Fläche und Situation erforderlich ist. Dabei unterscheiden sich Kita und Pflege deutlich. Während im normalen Kita-Alltag für viele Flächen die Reinigung im Vordergrund steht, müssen in der Pflege unter anderem das Infektionsrisiko, die Nähe zu Bewohnerinnen und Bewohnern sowie die konkrete pflegerische oder medizinische Tätigkeit berücksichtigt werden.

Kurz gesagt: Reinigung ist die Basis. Desinfektion kommt gezielt dort hinzu, wo das Risiko, eine Kontamination oder die konkrete Tätigkeit sie erforderlich macht.

Reinigung oder Desinfektion? Das Risiko entscheidet

Reinigung und Desinfektion verfolgen unterschiedliche Ziele.

Bei einer Reinigung werden Schmutz und organische Verunreinigungen entfernt. Dabei wird auch die Zahl vorhandener Mikroorganismen reduziert.

Eine Desinfektion geht darüber hinaus: Sie soll relevante Mikroorganismen so weit reduzieren beziehungsweise inaktivieren, dass das von der behandelten Fläche ausgehende Infektionsrisiko entsprechend vermindert wird.

Die aktuelle KRINKO-Empfehlung zur Reinigung und Desinfektion von Flächen verfolgt deshalb einen risikobasierten Ansatz. Für die Entscheidung spielen unter anderem der jeweilige Risikobereich, die Nähe der Fläche zu betreuten Personen, häufige Hand- oder Hautkontakte und mögliche Kontaminationen eine Rolle. In Bereichen ohne erhöhtes Infektionsrisiko sieht die KRINKO die routinemäßige Reinigung vor; bei höherem Risiko werden gezielte desinfizierende Maßnahmen erforderlich.

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht:

„Welches Desinfektionsmittel nehmen wir?“

Sondern zunächst:

„Warum muss diese Fläche überhaupt desinfiziert werden?“

Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lassen sich Verfahren und Produkt fachlich sinnvoll auswählen.

Was bedeutet das für Pflegeeinrichtungen?

Für die Pflege ist die aktuelle KRINKO-Empfehlung eine zentrale fachliche Grundlage. Die im Juli 2026 veröffentlichte Fassung trägt den Stand 24.04.2026. Sie gilt ausdrücklich für die pflegerische und ärztliche Betreuung von Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen; für ambulante Situationen können Maßnahmen risikoadaptiert beziehungsweise an die lokalen Gegebenheiten angepasst relevant sein.

Für Einrichtungen und Unternehmen der Pflege sieht auch § 35 IfSG vor, dass die erforderlichen Maßnahmen zur Infektionsprävention getroffen und innerbetriebliche Verfahren in Hygieneplänen festgelegt werden. Bei Beachtung der veröffentlichten KRINKO-Empfehlungen wird hinsichtlich medizinischer und pflegerischer Maßnahmen die Einhaltung des Standes der medizinischen beziehungsweise Pflegewissenschaft vermutet.

Die KRINKO unterscheidet verschiedene Risikobereiche. Das hat direkte Auswirkungen auf die Praxis.

Ein Verwaltungsbüro oder ein vergleichbarer Bereich ohne erhöhtes Infektionsrisiko benötigt beispielsweise nicht dieselben Desinfektionsmaßnahmen wie ein bewohnernaher Pflegebereich.

Bei häufig berührten oder bewohnernahen Flächen in einem Bereich mit möglichem Infektionsrisiko kann dagegen eine tägliche desinfizierende Flächenreinigung erforderlich sein. Bei erhöhtem oder besonderem Infektionsrisiko können die Anforderungen noch weiter gehen.

Auch ganz konkrete Alltagssituationen lassen sich daraus ableiten:

Ein Fußboden in einem Bereich ohne erhöhtes Infektionsrisiko kann regulär gereinigt werden. Eine häufig berührte Fläche im unmittelbaren Pflegeumfeld kann dagegen aufgrund des Risikobereichs desinfizierend gereinigt werden müssen.

Wird eine Fläche mit Blut, Sekreten, Exkreten oder Fäkalien sichtbar verunreinigt, empfiehlt die KRINKO zunächst die mechanische Entfernung der Verunreinigung und anschließend eine desinfizierende Flächenreinigung beziehungsweise Flächendesinfektion.

Auch Flächen, die nacheinander mit der Haut verschiedener betreuter Personen in Kontakt kommen, benötigen besondere Aufmerksamkeit. Als Beispiele nennt die KRINKO unter anderem Kontaktflächen von Liegen, Kopfstützen oder Babywaagen und empfiehlt nach der Benutzung eine desinfizierende Reinigung beziehungsweise Desinfektion.

Vor aseptischen Tätigkeiten, bei bestimmten Isolationssituationen oder im Rahmen eines Ausbruchsgeschehens kommen weitere gezielte Maßnahmen hinzu. Welche Maßnahme tatsächlich erforderlich ist, muss deshalb im einrichtungsspezifischen Hygiene- und Reinigungs- und Desinfektionsplan festgelegt werden.

Die 2026 veröffentlichte KRINKO-Fassung ist dabei der aktuelle Referenzstand. Sie überführt die Empfehlung von 2022 in die neue modulare Struktur und integriert ein Erratum; die ausgesprochenen Empfehlungen wurden laut KRINKO dabei nicht inhaltlich geändert.

Und wie sieht es in der Kita aus?

Für Kitas gilt eine andere fachliche Ausgangslage.

Die aktuelle KRINKO-Empfehlung zur Flächenreinigung richtet sich nicht allgemein an Kindertageseinrichtungen. Ihre Vorgaben für patienten- beziehungsweise bewohnernahe Bereiche dürfen deshalb nicht einfach auf Gruppenräume, Spielbereiche oder Sanitärflächen einer Kita übertragen werden.

Für Kitas sind unter anderem das Infektionsschutzgesetz sowie die entsprechenden Hygiene-Rahmenpläne und Arbeitshilfen relevant. Das LfGA NRW führt derzeit einen Rahmen-Hygieneplan für Kinder- und Jugendeinrichtungen mit Stand September 2025 sowie einen Reinigungs- und Desinfektionsplan mit Stand Oktober 2024.

Der NRW-Musterplan formuliert die Grundrichtung sehr klar:

Eine desinfizierende Reinigung beziehungsweise Flächendesinfektion ist in Kinder- und Jugendeinrichtungen nur in Ausnahmefällen oder besonderen Bereichen erforderlich.

Für zahlreiche Flächen steht deshalb im normalen Kita-Betrieb die Reinigung im Vordergrund. Das betrifft beispielsweise Gruppenraumböden, Handkontaktflächen und viele Flächen im Sanitärbereich. Die dort genannten Intervalle sind allerdings Richtwerte und müssen an die tatsächliche Nutzung und die Gegebenheiten der Einrichtung angepasst werden.

Anders ist die Situation bei einer Verunreinigung mit Blut, Stuhl oder Erbrochenem. Hier sieht der NRW-Musterplan eine desinfizierende Reinigung in jedem Bereich der Einrichtung vor. Diese soll durch eingewiesenes Personal, entsprechend dem eigenen Reinigungs- und Desinfektionsplan und unter Beachtung der Herstellerangaben durchgeführt werden.

Auch der Wickelbereich ist gesondert zu betrachten. Im aktuellen NRW-Musterplan wird für die Wickeltischauflage eine desinfizierende Reinigung nach jedem Wickeln angegeben.

Damit zeigt sich der zentrale Unterschied zwischen den Zielgruppen:

In der Kita steht im normalen Betrieb bei vielen Flächen die Reinigung im Vordergrund. Eine Desinfektion wird vor allem dann relevant, wenn besondere Bereiche, konkrete Kontaminationen oder bestimmte Infektionssituationen dies erforderlich machen. Die KRINKO-Flächenempfehlung gilt dabei nicht unmittelbar für Kindertageseinrichtungen – entscheidend sind die für Kitas geltenden Hygienevorgaben und der einrichtungsspezifische Reinigungs- und Desinfektionsplan.

In der Pflege spielt die Risikobewertung eine deutlich größere Rolle. Je nach Risikobereich und Nähe zu Bewohnerinnen und Bewohnern können häufig berührte beziehungsweise bewohnernahe Flächen bereits im Rahmen der Basishygiene desinfizierend zu reinigen sein. Die aktuelle KRINKO-Empfehlung ist hier eine zentrale fachliche Grundlage für die stationäre pflegerische und ärztliche Betreuung.

Die gemeinsame Botschaft ist trotzdem dieselbe:

Eine häufig berührte Fläche wird nicht allein deshalb automatisch desinfiziert. Entscheidend sind Zielgruppe, Bereich, Nutzung und hygienisches Risiko.

Gute Flächenhygiene beginnt nicht beim Desinfektionsmittel

Steht fest, dass eine Desinfektion erforderlich ist, folgt die nächste Entscheidung: Wie wird sie korrekt durchgeführt?

Dabei reicht es nicht, irgendein Flächendesinfektionsmittel bereitzustellen.

Das vorgesehene Mittel und Verfahren müssen zum Einsatzbereich passen. Zu berücksichtigen sind unter anderem das erforderliche Wirkspektrum, die Herstellerangaben, Anwendungskonzentration beziehungsweise Gebrauchslösung, Einwirkzeit und Materialverträglichkeit. Die KRINKO weist zudem darauf hin, dass Umfang, Wirkspektrum, Einwirkzeit und Häufigkeit der Desinfektion einrichtungsspezifisch festgelegt werden müssen.

Das gleiche Grundprinzip gilt für die Kita: Der NRW-Musterplan fordert die Beachtung der Herstellerangaben und empfiehlt für Desinfektionsmaßnahmen vorzugsweise gelistete Präparate.

Für die Praxis lässt sich der Ablauf deshalb auf eine einfache Reihenfolge bringen:

Indikation → Verfahren → geeignetes Produkt → korrekte Anwendung → klare Zuständigkeit

Diese Reihenfolge ist wichtiger als die möglichst schnelle Entscheidung für ein bestimmtes Mittel.

Ein Desinfektionsprodukt kann fachlich geeignet sein und trotzdem falsch eingesetzt werden, wenn Mitarbeitende nicht wissen, wann es verwendet wird, wie es anzuwenden ist oder wer für die Maßnahme verantwortlich ist.

Genau deshalb gehören Flächenreinigung und Flächendesinfektion in einen nachvollziehbaren Hygiene- beziehungsweise Reinigungs- und Desinfektionsplan.

Klarheit statt möglichst viel Desinfektion

Kita und Pflege benötigen nicht dieselben Desinfektionsmaßnahmen. Aber beide benötigen klare Entscheidungen.

In der Kita reicht im normalen Alltag für viele Flächen eine sachgerechte Reinigung. Desinfektion wird dort gezielt eingesetzt, wo eine besondere hygienische Situation, eine Kontamination oder ein entsprechend festgelegter Bereich dies erforderlich macht.

In der Pflege spielen Risikobereich, Bewohnernähe, Kontaminationswahrscheinlichkeit und konkrete medizinische oder pflegerische Tätigkeiten eine wesentlich größere Rolle.

Das Ziel ist deshalb weder „so wenig wie möglich“ noch „so viel wie möglich“ zu desinfizieren.

Das Ziel ist:

die richtige Maßnahme im richtigen Bereich – korrekt durchgeführt und für Mitarbeitende eindeutig geregelt.

Wenn im Alltag klar ist, welche Fläche gereinigt oder desinfiziert wird, wann die Maßnahme erforderlich ist, welches Verfahren und Produkt vorgesehen sind und wer dafür verantwortlich ist, wird Flächenhygiene zuverlässig umsetzbar.

EINBLATTHYGIENE unterstützt Kitas und Pflegeeinrichtungen dabei, bestehende Reinigungs- und Desinfektionsabläufe fachlich einzuordnen, Hygiene- und Reinigungspläne praxisgerecht zu strukturieren und passende Produkte für den tatsächlich definierten Einsatzbereich auszuwählen.

Denn die richtige Produktauswahl beginnt nicht im Regal – sondern mit der Frage: Was ist in dieser Situation hygienisch erforderlich?

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